Finn-Ole Heinrich zu Gast am Bergstraßen-Gymnasium
Am 9. Oktober war der Schriftsteller Finn-Ole Heinrich zu Gast am Bergstraßen-Gymnasium Hemsbach. DieSchülerinnen und Schüler erlebten den Autor nicht nur als Vorleser, sondern auch als Gesprächspartner, der offen über das Schreiben, seine Geschichten und seinen Beruf erzählte. Die Lesung wurde von Ceres Striesow organisiert und vom Förderverein des Bergstraßen-Gymnasium sowie dem Friedrich-Boedecker-Kreis finanziell unterstützt.
Den Auftakt machten die Klassen 5 und 6, für die Finn-Ole Heinrich ein Kapitel aus einem bislang unveröffentlichten Buch vorlas.
„Pekka ist neun, hat eine Plastiktüte voller Geldscheine und einen Vater, der angeblich Pirat ist – und Henri, elf, sein bester Freund und der größte Zauberkünstler der Welt, will eigentlich nur nicht schon wieder umsonst auf diesen Vater warten. Plötzlich sitzen die beiden im Fernbus nach Frankfurt, dann stehen sie am Flughafen, und Pekka sagt ganz entspannt: Wir fliegen nach Marrakesch. Dass zwei Kinder kein Ticket nach Afrika kriegen, ist für Pekka nur ein kleines Hindernis – dafür gibt's ja Pfeffer... und das ist erst der Anfang.“Die Jugendlichen hörten aufmerksam zu und lachten an vielen Stellen herzlich mit. Besonders die wechselndeStimme des Autors und die passende Betonung sorgten für viele Reaktionen und große Begeisterung.
Anschließend folgte die Lesung für die 10. Klassen und die Kursstufe 1, bei der ausgewählte Kurzgeschichtenim Mittelpunkt standen, die auch die Entwicklung des Autors und seines Schreibstils zeigten.
Im Anschluss hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen. Heinrich berichtete vonseinem Weg zum Schriftsteller, den er bereits im Alter von 17 Jahren einschlug. Außerdem sprach er darüber,welche Bedeutung das Schreiben für sein Denken hat: „Ich kann gut denken, wenn ich schreibe.“ Schreiben, so wurde deutlich, kann helfen, Gedanken zu ordnen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Gerade in einer Zeit, in der Jugendliche täglich mit einer Vielzahl kurzer und schnell konsumierbarer Inhalte konfrontiert sind, wurde deutlich, dass Literatur Zeit, Aufmerksamkeit und Ruhe benötigt. Dafür kann sie viel schaffen: Sie lässt Bilder im Kopf entstehen, regt zum Nachdenken an und eröffnet Raum für eigeneGedanken.
Wie gut die Lesung ankam, zeigten auch die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler. „Es hat richtigSpaß gemacht, zuzuhören“, berichteten Consti und Eray aus der Klasse 5 und lobten die „coole Betonung“sowie die verstellte Stimme des Autors. Eray hofft, das bislang unveröffentlichte Buch bald selbst lesen zukönnen. Eindrücklich für die Jugendlichen war, dass Heinrich seine Geschichten intuitiv verfasst. Er habe"keine Stilmittel-Liste daneben liegen" und denke sich nicht: "Jetzt baue ich mal ein Oxymoron ein, das gefunden werden muss."
Für Ceres Striesow hat die Veranstaltung damit ihr Ziel erreicht: „Wir möchten Spaß am Lesen fördern und zeigen, dass Autoren Menschen sind wie du und ich.“ Der Vormittag mit Finn-Ole Heinrich zeigte eindrücklich, wie lebendig Literatur sein kann, wenn sie direkt mit ihrem Autor erlebt wird.
Text: Annika Ehrhard
